Toponomastik im Morgentelefon

Toponomastik im Morgentelefon1

BOZEN – Senator Karl Zeller berichtet am 07.08.2013 im Morgentelefon des Rai Sender Bozen, dass es in der Toponomastikfrage Fortschritte bei den Verhandlungen mit Rom gebe. Man habe sich darauf geeinigt, dass auf Grundlage des Fitto-Durnwalder-Abkommens 700 bis 800 italienische Ortsnamen in Südtirol bestehen bleiben sollen, weil diese bekannt und im allgemeinen Gebrauch seien. Außerdem habe man sich darauf geeinigt, dass zweisprachig nicht gleich zweinamig ist und somit auch ein Ortsname in beiden großen Landessprachen verwendet werden könne. Die Regierung werde zudem im Gegenzug zum Abkommen ihren Rekurs vor dem Verfassungsgericht zurückziehen. Dem wiederum widerspricht die Staatssekretärin Michaela Biancofiore in einer Einspielung. Sie sagt, dass die Regierung den Rekurs vor dem Verfassungsgericht nicht zurückziehen werde.

Dazu folgende Feststellungen seitens der SOKO Tatort „Alto Adige“:

  1. Schon allein die Tatsache, dass mit Rom überhaupt verhandelt wird, ist eine Bankrotterklärung für die Landespolitik. Südtirol hat laut Autonomiestatut die alleinige Zuständigkeit in der Toponomastik. Die Regierung und das Parlament und in Rom haben hier gar nichts mitzuentscheiden.
  2. Das Abkommen zwischen dem seinerzeitigen Minister Fitto und Landeshauptmann Durnwalder nach wie vor als Verhandlungsgrundlage zu betrachten, ist einfach zum Schämen. Fitto hat seinerzeit damit gedroht, mit militärischer Gewalt in den Ortstafelstreit mit dem AVS einzugreifen. Die Landesregierung hat sich davon erpressen lassen. In der Zwischenzeit wurde Fitto aber wegen Korruption verurteilt. Außerdem kam das Abkommen seinerzeit in geheimen Verhandlungen ohne jede demokratische Legitimierung seitens des Landtags zustande. Südtirol sollte sich nicht an undemokratische Geheimabkommen mit Verbrechern halten, die uns erpresst haben.
  3. Es mag zwar erfreulich sein, wenn viele tausend italienische Fantasiebezeichnungen aus der Südtirols Landschaft verschwinden. Tatsache bleibt aber, dass es in Südtirol auch bei sehr großzügiger Auslegung nur knapp 200 echte (historische) italienische Ortsnamen gibt. Das bedeutet, dass mit dem neuen Abkommen auch weiterhin mindestens 500 bis 600 faschistische Falschnamen erhalten bleiben. Auch nur 10% Faschismus sind immer noch zu viel Faschismus.
  4. Der Bezug auf Bekanntheit und Gebrauch der Ortsnamen bedeutet im Grunde genommen, dass nur jene Fantasienamen verschwinden werden, die eh niemand kennt und keiner sieht. Jene aber, die uns tagtäglich auf den Ortsschildern, Wanderschildern und Landkarten begegnen, die Namen der Gemeinden, Fraktionen und Berge, bleiben erhalten. Sie werden weiterhin eine flächendeckende „Italianità“ vortäuschen, die es in Südtirol nie gegeben hat und auch heute noch nicht gibt.
  5. Dass zweisprachig nicht gleich zweinamig bedeutet, ist eine unumstößliche wissenschaftliche Tatsache. Dafür braucht es bestimmt keine Klarstellung aus Rom. Das sagt einem doch schon der Hausverstand. Sonst hätten wir für Ortsnamen wie Lana, Gais, Albion oder Morter schon längst einen zweiten Ortsnamen erfinden müssen.
  6. Das Damoklesschwert des Verfassungsgerichtshofes schwebt weiterhin über Südtirols Ortsnamengesetz. Rom wird diesen Trumpf wohl doch nicht so einfach aus der Hand geben.

Die SOKO Tatort „Alto Adige“ zeigt sich nach wie vor davon überzeugt, dass die historische Lösung die beste Alternative für Südtirol ist. Ja zur Mehrsprachigkeit, ja zu deutschen, italienischen und ladinischen Ortsnamen. Aber nein zu pseudoitalienischen Fantasienamen, die zwar italienisch klingen und aussehen, aber in Wirklichkeit ein faschistisches Lügenwerk sind.

Eine echte und dauerhafte Lösung der Ortsnamensfrage muss auf Wahrheit aufbauen und nicht auf Gewalt, Lügen und Erpressung.

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In vino veritas – Im Wein liegt die Wahrheit, sagten schon die alten Römer.

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