Bletterbach hat nichts mit Blättern zu tun

Der Bletterbach der gleichnamigen Schlucht, die gerne als „Grand Canyon Südtirols“ bezeichnet wird und zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört, wird im Italienischen häufig als „Rio delle Foglie“ beschrieben. In Wirklichkeit jedoch hat der Bletterbach nichts mit den Blättern zu tun. Das Hydronym (Bachname) beinhaltet ein Tiroler Verb plettern, das in etwa ‘eilig dahinfließen’ bedeutet und, wie das verwandte Verb pletschern, lautmalenden Ursprungs sein dürfte. Die Schreibweise des Namens mit e ist somit korrekter – noch korrekter wäre die Schreibweise Pletterbach. Im „Prontuario dei nomi locali dell’Alto Adige“ des italienischen Faschisten Ettore Tolomei scheint der Bletterbach nicht auf. „Rio delle Foglie“ ist ein posttolomeischer Unfug und absoluter Nonsens – so wie alle übrigen pseudoitalienischen Orts- und Flurnamen!

Zum Glück gibt es da Einige, die sich von (post)faschistischem Namen- und Gedankengut distanzieren und derartige pseudoitalienische Konstrukte meiden. Der offizielle Netzauftritt des Geoparc Bletterbach ist dabei als lobendes Beispiel hervorzuheben (wenngleich die übrigen Namen wie Aldino, Redagno, Alto Adige durchaus in der pseudoitalienischen bzw. tolomeisch-faschistischen Form vorzufinden sind). Manche Kartenwerke scheuen dagegen im Italienischen auch vor der dilettantischen Pseudoübersetzung „Rio delle Foglie“ nicht zurück. Warum passiert so etwas? Weil es die offizielle Politik ständig vormacht und es die Bürger sorglos nachäffen. Wann nimmt dieser ganz normale Toponomastik-Wahnsinn im „Alto Adige“ ein Ende? Ettore Tolomei, der Erfinder des „Alto Adige“, lässt halt immer noch grüßen.

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