Spurensicherung in Gröden: die Bevölkerung will mitentscheiden

ST. ULRICH/URTIJËI – Zur Spurensuche der besonderen Art hatte die Schützenkompanie St. Ulrich am Freitag, den 11. April 2014 im Kongresshaus in St. Ulrich eingeladen. Der Schützenhauptmann Patrick Kostner begrüßte die Anwesenden in einer kurzen Einleitung und gab dann drei Mitgliedern der vom Südtiroler Schützenbund ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe SOKO Tatort „Alto Adige“ das Wort. In drei Kurzreferaten mit den Titeln „Sprachgeschichtliche Entstehung der Ortsnamen“, „Biografische Hintergründe Ettore Tolomeis“ und „Rechtliche Grundlagen der Toponomastik“ gaben diese Denkanstöße zum Thema Ortsnamen.

Im Anschluss fand eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen Persönlichkeiten statt, welche den Mittelpunkt des Abends darstellte. Am Podium saßen Eberhard Daum als Moderator, Ewald Moroder (Bürgermeister von St. Ulrich), Andreas Tschurtschenthaler (Leitung Unternehmenskommunikation & Mitglied der Geschäftsleitung der SMG), Elmar Thaler (Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes), Judith Kelder Schenk (Obfrau der HGV-Ortsgruppe Gröden) und Cristian Kollmann als Sprachwissenschaftler und Toponomast.

Die Fachfrau aus dem Bereich Tourismus, Judith Kelder Schenk unterstrich im Laufe des Abends mehrmals, dass die Gäste aus aller Welt zufrieden seien mit dem Werbeauftritt des Tales und den dort verwendeten Ortsnamen. Schließlich sei auch das Werbematerial größtenteils mehrsprachig. Trotzdem setze der hiesige Tourismusverein vermehrt auf Authentizität, wie etwa die in ladinischer Sprache verfasste Begrüßung der Gäste in Prospekten aufzeigt. “Val Gardena” als einzigen Werbenamen wurde auf Grund des allein noch freien Internet-Domain-Namens gewählt.

Andreas Tschurtschenthaler, (Leitung Unternehmenskommunikation & Mitglied der Geschäftsleitung der SMG) fand, dass in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet wurde. Obwohl sich das Publikum mehr Mitbestimmung der Bevölkerung bei der Auswahl der für die Werbung verwendeten Namen wünschte, konnte er diesen Wunsch nicht gutheißen.
Vielmehr müsse seiner Meinung nach das Recht über „Werbemarken“ zu entscheiden bei nur wenigen Personen liegen, da eine demokratische Abstimmung zu aufwändig wäre und zu lange dauern würde. Nur kurzfristig verwendete Namen ohne wertigen, geschichtlichen Hintergrund würden vom Konsumenten langfristig sowieso nicht akzeptiert.

Der Bürgermeister von St. Ulrich, Ewald Moroder begrüßte die Anwesenden zunächst in ladinischer Sprache. Er habe eine Vision vor Augen, zukünftig nur noch mit dem historisch gewachsenen, ladinischen Name „Gherdëina“ als alleinigem Werbeträger für das Tal zu werben. Ihm persönlich würde dies wesentlich besser gefallen als der derzeit verwendete Name. Allerdings merkte er zugleich auch an, dass dies wohl aus finanziellen Gründen eher schwierig umzusetzen sei. Trotzdem wäre es für das Tal von Vorteil, wenn alle Betriebe mit einheitlichen Namen auftreten würden.

Der ranghöchste Schütze des Landes, LKdt. Elmar Thaler wies darauf hin, dass es bei wichtigen Entscheidungsprozessen, wie es jene in der Ortsnamensfrage sind, von fundamentaler Bedeutung sei, von Anfang an zu entscheiden, ob auf das „Wahre“, also die Authentizität gesetzt wird, oder nicht. Er zeigte sich überzeugt davon, dass langfristig autarke Namen die beste Lösung für unser Land seien. Natürlich entstünden durch die Umstellung der Werbung kurzfristig Kosten, doch die Gäste wüssten die Originalität zu schätzen, vor allem den Mehrwert, dass die Bevölkerung bereit ist, dieses Namensgut aktiv mitzutragen.

Der Sprachwissenschaftler und Toponomast Cristian Kollmann empfahl, auf jeden Fall auf bodenständige, historisch gewachsene Namen zu setzen, hinter welchen die gesamte Bevölkerung des Tales stehe. Dies sei beim derzeitig verwendeten, erfundenen und sprachwissenschaftlich somit nicht berechtigten Namen „Val Gardena“ leider nicht der Fall. Weiters erklärte er, dass die Namen sich erst im Laufe der Jahrhunderte zu dem entwickelten, was sie heute sind. Diese zu übersetzen, als seien sie eine Ware, wäre der falsche Weg, denn schließlich sind sie identitätsstiftend und Zeugen der Siedlungsgeschichte.

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Aktion Ortsnamen – Spurensicherung in Gröden
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