Mühlbach oder Rio Pusteria?

Tourismusverein setzt auf Tolomei statt auf Authentizität

MÜHLBACH – „Die Mühlbacher Tourismustreibenden scheinen sich des eigenen Ortsnamens zu schämen.“ so die SOKO Tatort „Alto Adige“ in einer Aussendung. „Wie sonst kann es sein, dass der Ortsname „Mühlbach“ mit seiner jahrhundertelangen Geschichte durch das faschistische „Rio Pusteria“ ersetzt wird?“

Hintergrund für die Pressemitteilung der Arbeitsgruppe zu den Ortsnamen im Südtiroler Schützenbund ist eine Werbeschleife am Ortseingang von Mühlbach mit der Aufschrift „Ski & Almenregion / Area Vacanza Gitschberg Jochtal Rio Pusteria“. Dass hier der Ortsname „Mühlbach“ ganz bewusst durch „Rio Pusteria“ ersetzt wird sorgt für Wirbel. Die Schützen betonen: „Der Begriff „Rio Pusteria“ ist ein Fantasiename, der von Ettore Tolomei am Schreibtisch erfunden wurde. Er hat nichts mit der Sprach- und Siedlungsgeschichte der Gemeinde zu tun.“

Die Freiheitlichen der Gemeinde Mühlbach haben diesbezüglich bereits eine Anfrage an Bürgermeister Prugger gerichtet. Dieser verweist in seinem Antwortschreiben auf den örtlichen Tourismusverein. Die Tourismustreibenden wiederum mit Verweis auf die Internet-Suchmaschine Google und auf die angeblich bessere touristische Vermarktbarkeit von „Rio Pusteria“. Auch von der Südtiroler Freiheit gab es zu diesem Thema schon eine Pressemitteilung.

Der Schützenbund prangert an, dass sich hier einer hinter dem anderen versteckt und keiner die Verantwortung übernehmen will. „Die Gemeinde schiebt die Verantwortung auf den Tourismusverein und der Tourismusverein auf Google und den italienischen Markt. So kommen wir nicht weiter: Gemeinde und Tourismusverein müssen Verantwortung für das Kulturgut Ortsnamen übernehmen!“ so die SOKO Tatort „Alto Adige“.

Die Untätigkeit der Politiker in Bezug auf die Ortsnamen ist den Schützen ein Dorn im Auge: „Immer wieder wird von den Politikern aller deutschen Parteien betont, dass die faschistischen Ortsnamensdekrete Unrecht waren und immer noch sind. Sie erklären in Diskussionen immer wieder, dass Tolomeis Lügenwerk abgeschafft gehörte. Aber sie handeln nicht danach.“

„Der Tourismus hat nicht das Recht das Kulturgut Ortsnamen dem vermeintlichen wirtschaftlichen Erfolg zu opfern.“ Geld sei nicht alles, sagen die Schützen. Was im Leben wirklich zähle, könne man nicht immer in Zahlen messen. Sie rufen dazu auf, in der Tourismuswerbung auf Authentizität zu setzen. Das bringe langfristig mehr Erfolg.

Die Arbeitsgruppe betont in ihrer Pressemitteilung, dass Mehrsprachigkeit nicht mit Mehrnamigkeit verwechselt werden dürfe. In mehrsprachigen Gebieten wie Aosta oder der Schweiz komme man problemlos ohne aufgezwungene künstliche Fremdnamen aus. Dies müsse auch in Südtirol möglich sein.

„Die Region Aosta hat uns vorgemacht, dass eine historisch korrekte und gerechte Ortsnamensregelung möglich ist. Aosta hat seit 1946 alle aufgezwungenen italienischen Ortsnamen schrittweise abgeschafft. Warum soll das bei uns nicht auch möglich sein?“ so die Schützen abschließend in ihrer Aussendung.

2014-04-17-Antwort-Anfrage-Werbeschleife

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