Wird das Unrecht zur Selbstverständlichkeit? Latte Sudtirolese oder Latte Alto Adige?

BOZEN – 1984 wurde die Südtiroler Milch in Italienisch noch als “Latte Sudtirolese” beworben. 30 Jahre später gibt es diese nur noch als “Latte Alto Adige”, bemerken die Schützen in einer Aussendung. Den Name “Alto Adige” gab der Faschist Ettore Tolomei dem heutigen Gebiet von Südtirol. Es wäre besser diesen Begriff zu meiden und stattdessen das faschistisch unbelastete “Sudtirolo” zu verwenden.

Doch ist dies bei Weitem nicht die einzige Werbung in der neuerdings erfundene Ortsnamen verwendet werden, davon gibt es leider bereits sehr viele. Was in den letzten drei Jahrzehnten unverändert blieb, ist das Unrecht, welches die Faschisten durch ihre erfundenen Ortsnamen an unserer Kultur begangen haben, als Südtirol unberechtigte Ortsnamen aufgezwungen wurden.

Verändert hat sich hingegen die Sensibilität der Bevölkerung in Anbetracht der Ortsnamen, welche bedauerlicherweise schwindet, obwohl die Sachlage nach wie vor dieselbe ist, so der Südtiroler Schützenbund.

Der Grund dafür liege wahrscheinlich in der Landespolitik und im Besonderen bei der Regierungspartei, für welche die Ortsnamensfrage längst keine Herzensangelegenheit mehr sei. Das Thema sei wohl eher lästig, vermuten die Schützen. Wie sonst sei es zu erklären, dass Durnwalders Toponomastikgesetz immer noch nicht umgesetzt wurde, obwohl in “vorauseilendem Gehorsam” auf eine generelle Abschaffung der faschistischen Ortsnamensdekrete bewusst verzichtet wurde?

Aber auch die Schule habe ihren Teil dazu beigetragen, dass Toponomastik heute kein Thema mehr ist, sind sich die Schützen sicher. Schon in der Volksschule würden die Kinder lernen, dass jeder Ortsname übersetzbar sei. Warum das aber so sei, lernen sie nicht. Und so werde das Unrecht über kurz oder lang zur Selbstverständlichkeit, obwohl eigentlich weiterhin nur Worte und nicht Namen übersetzt werden können. “Hier drohen Politik und die öffentliche Bildung zu versagen.”, meinen die Schützen.

Den Schützen geht es nicht ums Kritisieren und Schimpfen. Sie wollen lediglich aufzeigen, was unbedingt geändert werden soll. “Das Thema Toponomastik wurde bereits viel zu lange als unwichtig zurückgestellt. Die Politik muss sich ihrer Verantwortung wieder bewusst werden. Die deutschen und ladinischen Ortsnamen müssen endlich amtlich werden.”, fordern die Schützen. Und auch die Schule müsse ihrer Aufgabe nachkommen und wieder verstärkt und objektiv über das Thema Toponomastik informieren. Dann werde der Stellenwert dieses sehr wichtigen immateriellen Kulturgutes den Südtirolern wieder bewusst.

“Was es jetzt braucht, ist ein entschlossener Schritt nach vorne: Veränderung ist möglich!”, so die Schützen abschließend.

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100% Latte Alto Adige – Gedankenlose Werbung in Südtirol
Lob für den ASGB: Toponomastik nicht nur Aufgabe der Schützen

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